Drei Musiker des Phil-It-Bläsersatzes spielen gestaffelt hintereinander, mit einer Trompete im scharf abgebildeten Vordergrund.

Phil It @ COVERnights, Müllheim 2026

Event 1. August 2026

Für mich begann dieser Konzertabend anders als sonst. Zum ersten Mal war ich nicht nur als Besucher vor Ort, sondern durfte eine Band während des gesamten Konzerts fotografisch begleiten. Mit der Kamera direkt vor und auf der Bühne zu arbeiten, statt einzelne Momente mit dem Mobiltelefon festzuhalten, sorgte im Vorfeld durchaus für eine gewisse Nervosität. Gleichzeitig hätte es kaum einen passenderen Anlass für diese Premiere geben können.

Die COVERnights 2026 lockten zahlreiche Besucher auf den Markgräfler Platz in Müllheim. Das Gelände war ausverkauft und die Vorfreude auf Phil It überall spürbar. Auch für die Band war es ein besonderer Abend. Bereits 2024 hatte sie bei den COVERnights auf der Bühne gestanden, damals wurde der Auftritt jedoch wegen eines schweren Gewitters aus Sicherheitsgründen nach wenigen Songs abgebrochen. Zwei Jahre später bot sich nun die Gelegenheit für einen erfolgreichen zweiten Anlauf.

Den Auftakt des Abends übernahm die Coverband GetWet. Die Formation um Sängerin und Gitarristin Maren Disch präsentierte einen abwechslungsreichen Mix aus Rockklassikern und neueren Songs und sorgte vom ersten Titel an für beste Stimmung auf dem Markgräfler Platz.

Besonders Maren prägte den Auftritt mit einer aussergewöhnlichen Bühnenpräsenz. Mit grossem körperlichem Einsatz, sichtbarer Spielfreude und einer beeindruckenden Stimme stand sie immer wieder im Zentrum des Geschehens. Zusammen mit Alexander Stocker an der Gitarre, Jürgen Wernet am Bass, Ralf Rees am Keyboard sowie Markus Stratz am Schlagzeug holte GetWet das Publikum perfekt ab.

Musikalisch war GetWet erfreulich nahe an den Originalen. Dennoch klangen die Songs nicht wie blosse Kopien. Die starke Stimme von Maren verlieh den bekannten Titeln einen eigenen und frischen Charakter, was ihnen ausgesprochen gut bekam.

Die Besucher liessen sich von Beginn an mitreissen, sangen mit und honorierten den Auftritt mit viel Applaus. GetWet gelang genau das, was man sich von einer Vorband wünscht: Die Band brachte das Publikum früh auf Betriebstemperatur und sorgte dafür, dass die Vorfreude auf den Hauptact des Abends mit jedem Song weiter stieg.

Als die letzten Takte verklungen waren, war der Markgräfler Platz bestens vorbereitet für den zweiten Anlauf von Phil It bei den COVERnights.

Nach einer kurzen Umbaupause war es Zeit für den Hauptact des Abends. Bereits beim Betreten der Bühne wurde deutlich, dass Phil It keine gewöhnliche Coverband ist. Vorhang auf für eine beeindruckende Besetzung mit 14 Musikerinnen und Musikern. Neben den klassischen Mitgliedern einer Rockband gehörten ein fünfköpfiger Bläsersatz, drei Backgroundsängerinnen sowie ein zusätzlicher Perkussionist zum Ensemble. Spätestens beim ersten Blick auf die Bühne wurde klar, mit welchem Aufwand und welcher Liebe zum Detail sich Phil It dem musikalischen Vermächtnis von Phil Collins und Genesis widmet.

Für mich hatte dieser Auftritt zudem eine ganz persönliche Bedeutung. Mit Gitarrist Sascha Happle verbindet mich eine Freundschaft, die bis ins Jahr 1996 zurückreicht. Zwölf Jahre lang haben wir gemeinsam gearbeitet. Umso mehr freute ich mich darauf, ihn an diesem Abend auf der Bühne zu erleben.

Bereits nach wenigen Songs wurde deutlich, weshalb Phil It einen so hervorragenden Ruf geniesst. Dieser führte die Band 2025 sogar zum renommierten Oerrock Festival im niederländischen Ureterp. Die Musiker präsentierten die bekannten Titel mit beeindruckender Präzision und einer spürbaren Leidenschaft für das Original. In einer Qualität, die schon nach kurzer Zeit vergessen liess, dass hier keine Originalbesetzung auf der Bühne stand.

Daran hatte Sänger Sascha Spitz einen massgeblichen Anteil. Seine verblüffende optische Ähnlichkeit zu Phil Collins war beinahe unheimlich und verlieh der Show von Beginn an eine bemerkenswerte Authentizität. Gemeinsam mit der herausragenden Leistung der gesamten Band entstand ein Konzerterlebnis, das sich erstaunlich echt anfühlte. Für mich persönlich war es eine Reise zurück in jene Jahre, in denen ich Phil Collins und Genesis tatsächlich live erleben durfte.

Durch den freien Zugang zur Bühne konnte ich das Konzert aus Perspektiven erleben, die den meisten Besuchern verborgen bleiben. Aus dieser Nähe zu beobachten, wie intensiv die Musiker miteinander kommunizierten und wie viel Freude sie am gemeinsamen Auftritt hatten, war überaus spannend.

Sänger Sascha Spitz war kein einfaches Motiv. Mit seiner enormen Bühnenpräsenz nutzte er jeden verfügbaren Raum, bewegte sich spontan über die Bühne und tauchte oft an völlig anderen Stellen auf, als man es einen Moment zuvor erwartet hätte. Das erforderte ständige Aufmerksamkeit, machte die Arbeit aber gleichzeitig umso spannender.

Musikalisch bot der Abend eine Vielzahl von Titeln, die in der DNA vieler Musikfans tief verwurzelt sind. Zu den absoluten Höhepunkten gehörten ohne Zweifel «In The Air Tonight» und «Land Of Confusion». Diese Songs gehören zum «Soundtrack of my life» einer ganzen Generation.‌

Die grosse Besetzung ist keineswegs blosser Blickfang. Der druckvolle Bläsersatz, die Backgroundsängerinnen und die zusätzlichen Percussions sorgten für genau jene Klangfülle, die viele dieser Titel auszeichnet. Die Band entwickelte dabei genau die Dynamik und Energie, die man von den Originalen kennt.

Müllheim verfolgt eine erfreulich grosszügige Politik, wenn es darum geht, wie lange Konzerte in den Abend hinein dauern dürfen. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, weshalb die COVERnights seit Jahren ihren besonderen Charme bewahren. Die Bands haben die Möglichkeit, ihre Shows ohne unnötigen Zeitdruck zu präsentieren, und das Publikum kann einen Konzertabend geniessen, der sich entwickeln darf.

Auch an diesem Abend kam dies dem Erlebnis spürbar zugute. Nach einem donnernden Applaus und den lautstarken Forderungen nach einer Zugabe setzten Phil It mit „Sussudio“ einen energiegeladenen Schlusspunkt unter einen Auftritt, der das Publikum der ausverkauften COVERnights sichtbar begeisterte. Anschliessend machte die Band Platz für die Queen-Tribute-Band Break Free und beendete damit ihren erfolgreichen zweiten Anlauf bei den COVERnights.

Eine Frage, die ich mir bei Konzertfotografen schon oft gestellt hatte, beantwortete sich an diesem Abend von selbst. Trotz der Arbeit mit der Kamera konnte ich die Show uneingeschränkt geniessen.

Die schönste Erinnerung an diesen Abend ist jedoch ein Satz von Gitarrist Sascha Happle geblieben: „Du gehörst jetzt zur Phil It Familie und bist bei jedem Konzert als Fotograf willkommen.“ Ein grösseres Kompliment hätte ich mir nach meinem ersten Konzert als offizieller Fotograf kaum wünschen können.

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